
Moonstone
20. August 2026
Die Geschichte von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch – so glauben wir – ist es besser, wenn man vorher nicht weiss, worum es geht. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun. Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt.
Meinung / Rezension
Ich habe mich relativ blind auf Der Junge im gestreiften Pyjama eingelassen. Das Einzige, was ich wusste, war, dass das Buch zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt und sich mit dem Holocaust beschäftigt.
Natürlich ist die Geschichte sehr schwierig und hat bei mir, wie die meisten Bücher über den Holocaust, ein ungutes und beklemmendes Gefühl hinterlassen. Allerdings muss ich sagen, dass Bruno als Hauptfigur für mich nicht wirklich funktioniert hat.
Ja, er ist erst neun Jahre alt. Und ja, er darf und muss für diese Geschichte naiv sein. Natürlich erwarte ich von einem neunjährigen Kind nicht, dass es versteht, was um es herum tatsächlich passiert. Trotzdem war Bruno für mich teilweise zu naiv dargestellt. Er war durchaus klug genug, um gewisse Situationen und Gefahren zu erkennen, gleichzeitig verhielt er sich an anderen Stellen so ahnungslos, dass es für mich irgendwann nicht mehr glaubwürdig war.
Gerade ab etwa der Hälfte des Buches wollte ich ihn deshalb eigentlich nur noch unentwegt schütteln und irgendwie zur Vernunft bringen. Besonders im Hinblick darauf, wie die Geschichte schließlich endet, hatte ich grosse Schwierigkeiten damit, sein Verhalten nachzuvollziehen.
Mehr möchte ich darüber allerdings gar nicht sagen, denn ich möchte niemandem das Ende vorwegnehmen. Nur so viel: Es ist furchtbar und hinterlässt definitiv seine Wirkung.
Idee / Umsetzung
Die Geschichte aus den Augen eines Kindes zu erzählen, das nicht versteht, was um es herum geschieht, ist grundsätzlich eine interessante Idee. Für mich wurde Brunos Naivität allerdings teilweise zu stark ausgereizt.
Spannung
Man ahnt zunehmend, dass die Geschichte auf nichts Gutes hinauslaufen kann. Gerade dadurch entsteht eine unangenehme Spannung, die sich bis zum Ende immer weiter steigert.
Lesevergnügen
Bei einem Buch über dieses Thema ist „Lesevergnügen“ natürlich das falsche Wort. Die Geschichte hat mich beschäftigt, gleichzeitig hat mich Bruno mit seinem Verhalten zunehmend frustriert.
Charaktere
Hier liegt für mich die grösste Schwäche des Buches. Bruno war mir in einigen Situationen schlicht zu naiv dargestellt, um sein Verhalten noch glaubwürdig nachvollziehen zu können.
Schreibstil
Das Buch lässt sich sehr schnell und flüssig lesen. Durch die kindliche Perspektive bleibt die Sprache entsprechend einfach.
Fazit:
Der Junge im gestreiften Pyjama behandelt ein schwieriges Thema aus einer ungewöhnlichen Perspektive und hinterlässt vor allem durch sein Ende Eindruck. Für mich hat die Geschichte allerdings darunter gelitten, dass ich Brunos Naivität irgendwann nicht mehr glaubwürdig fand. Ich verstehe, weshalb sie für die Geschichte notwendig ist – funktioniert hat sie für mich trotzdem nicht vollständig.
- Autor: John Boyne
- Verlag: Fischer
- Ausgabe: Taschenbuch
- Seiten: 288
| Idee/Umsetzung | |
| Spannung | |
| Lesevergnügen | |
| Charaktere | |
| Schreibstil | |
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Durchschnittlich
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